Nur weiter, weiter....

Auf kopfsteingepflastertem Weg, an allerlei dunklen Lädchen vorbei, die in den hohlen Augen ihrer Eingänge hohlwangig ablehnend, engäugig und engbestirnt ihre Güter zu stehen haben.

Es regnet, gut, es kühlt, erfrischt mich und gleich werde ich zurückehren.

Wieder- ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Das erste Mal mit Vater, zwischen Ermahnungen zeigte er mir die Welt. Er erzählte die Geschichte eines Pferdes, in dem Soldaten saßen, eine Stadt zu erobern. Ich mäßige meinen Schritt, bleibe stehen und schliesse den Mantel.

Denke nicht, strecke den Hals und das Gesicht dem Regen entgegen. Zurück noch einmal. Nicht daran denken, und so ich sang mit Vater:

        links ne Pappel
        rechts ne Pappel-
        in der Mitte
                        siebenundsiebenundsiebenund... Pferdeappel

...und nehme den Schritt wieder auf. Habe ich lange gestanden, als ich mein Gesicht vom Regen waschen ließ?
Langsamer - der Mantel behindert den Tritt, links 'nen Schritt und rechts 'nen Schritt... Atme, einmal noch wiederkehren zu... Zu der Stätte meines Studiums

Ja ich bin Mediziner, hebe die Schultern:

seht nur Leute, ich helfe euch. Gebunden durch Eid. Ich gelobe hiermit feierlich zu schweigen, bis ich dahin gehe, wohin alle gehen.

Jetzt gehe ich dahin, wo es passiert ist. Nein, es ist nichts passiert. Es war ein Traum und ich gelobe, nie mehr zu träumen, meinen Gedanken kein freies Spiel mehr zu gestatten.

Ich.

Ich habe hier studiert. Anfänglich durften wir nicht selbst Hand anlegen, nur zusehen, dann schnitten wir und gruben Karziome aus Gedärmen. Geschnitten wurden sie auch. Die mir jetzt entgegen treten...

Der Eingang gähnt mich an, dahinter sind jene, welche zur Erholung eine Runde um den Block gehen. Den Kragen nach oben, niemand beachten, nur nicht die, die mir begegnen könnten. Kein Erkennen, kein Hutziehen und schon gar kein Hände schütteln!

Es könnte zu Boden fallen... Nichts, nichts, ich habe nur geträumt. Ich habe geträumt, Arzt gewesen zu sein. Ich habe versucht, die vergängliche Seite des Seins, den Verfall zu stoppen.

Mit Paraffin und Kampfer wollte ich der Verwesung ein Ende setzen. Kommende Generationen sollten sich erfreuen an der Ästhetik. Sie sollten sehen, wie Volkshygiene uns von Schrecken befreite, auch wenn das Verschwinden dererlei Missbildungen ein Ende setzen wird mit den Kobolden, Sirenen und Zyklopen. So wie ich ein Ende gesetzt habe mit dem Traum.

Das Pflaster ist glibschig und ich bahne mir den Weg, durch Bandagierte, nachwachsendes Fleisch unter durchweichten Mull, braun und gelb tropfend. Ein Schrei läßt meine Schitte verharren, unter wimmern fahren sie eine Frau vorbei,geblähter Leib wird Leben spenden. Blut, Urin und Kotschwängernde Luft, befleckter Boden, es wird Leben geben...

Leben, das hier endet. Wirst du schön, wirst du nicht im Ofen landen, aber ach, auch keinen Ehrenplatz in der Gesellschaft von missgestalteten Foeten und Geschwuelsten erringen.

To be continued..