Ihr glaubt doch nicht im Ernst, das Troja aufgrund dieser Holzpferd-Sache untergegangen ist, oder?
Im Prinzip ist das natürlich schon richtig, aber doch eher indirekt, weil nämlich einiges echt verdammt schief gelaufen ist. Es ist schon richtig, daß Odysseus die Idee hatte, und das Pferd wurde auch gebaut, was wahrscheinlich die erste geschichtlich verbürgte von Menschen verursachte Naturkatastrophe gewesen sein dürfte, von wegen entwaldete Hänge und Erosion und so.
Aber als die Leute dann reingekrochen sind und das Pferd dann Fix und Fertig vor den Toren Trojas stand, war es nicht etwa so, daß die Trojaner ihre Stadtmauern einrissen, weil sie es für ein cooles Opfer hielten oder so. Nee, weil die Trojaner waren nicht auf den Kopf gefallen, also einige wahrscheinlich schon, weil die Sandalen waren damals nicht so der Hit in Sachen Profil und so. Und wenn man dann mit Speer und Schild beide Hände voll hatte kam es halt schon mal vor, daß man im Schlachtgetümmel in eine erkaltete Olivenölpfütze trat, die verkleckert wurde, als der Rest kochendheiß über heranstürmende Griechen ausgegossen wurde, und sich dann voll auf die Fresse packte.
Aber dumm waren die Trojaner wirklich nicht, sie hatten immerhin zehn Jahre Belagerung der Griechen ausgehalten und das war schon 'ne ziemliche Leistung. Zumal die Jungs einen Kerl wie Odysseus dabei hatten. Ich glaube übriegens nicht, daß der Gute Mann nach zehn Jahren immer noch so schnell wie möglch zu seiner Penelope zurück wollte, zumal zehn Jahre selbst an der schönsten Frau nicht spurloß vorüber gehen. Ich glaube er hatte nur einfach den feldküchen Fraß satt. Naja, wie auch immer, als der alte König Priamos das Pferd also so vor den Toren der Stadt stehen sah, sprach er:"Diese Griechen halten uns scheinbar echt für blöde. Die glauben doch tatsächlich, wir fallen auf so einen dummen Trick rein. Ich sage: Steckt das scheiß Ding an!" Und so geschah es. Kurz darauf stand das Ding in Flammen. Und hier taucht das Problem auf: De Trojanische Feuerwehr stand gerade im Streik. Wirklich! Ich meine versetzt euch mal in Äneas' (Das war der Feuerwehrhauptmann und Gewerkschaftsvorsitzende) Lage, ständig brannte es in Troja, das ist ja klar, wenn irgendwo Krieg herrscht ist es auch heute noch so, daß gelegentlich ein Feuer ausbricht. In belagerten Städten war damals die Einäscherung die einzigst praktikabele Art der Bestattung. Und da kam es halt hin und wieder mal vor, daß die Feuer übergriffen. Das hätte den Feuerwehrmännern ja auch nichts ausgemacht, diese Feuer zu löschen, dazu waren sie ja schließlich da. Jedesmal jedoch, wenn sie einen Brand gelöscht hatten, schoßen die Griechen mit brennenden Pfeilen über die Mauern, und steckten so ein anderes Haus in Brand. Das wäre ncht so schlimm gewesen, hätte nicht so manch guter Feuerwehrmann sein Leben dadurch verloren, daß er während der Löscharbeiten von einem griechischem Steinschleuderer mit einem Stein am Kopf getroffen wurde und deshalb von der Leiter stürzte.
Achilles, der angeblich größte Krieger der Griechen, der immer Barfuß ging weil er dachte dann hätte er ein besseres Gefühl für den Boden auf dem er stand, hatte nämlich spitz gekriegt, daß die Feuerwehrleute besonders gute Ziele boten, wenn sie auf hren Leitern standen und löschten. Dann nämlich kuckten ihre Köpfe über den Stadtmauern hervor, die einen Tick zu kurz waren.
Das war seine letzte große Tat gewesen, die er in seinem kurzem Heldenleben volbrachte, bevor er an einer Blutvergiftung starb, die er sich zuzog, als er auf dem Schlachtfeld in einen rostigen Nagel trat. So ein unheldenhafter Tod war natürlich für den guten Homer nicht akzeptabel, man stelle sich vor: Der größte Held der Griechen starb aufgrund der eigenen Dummheit! Nein so ging das wirklich nicht. Also schuf der gute Mann die Geschichte von Paris' vergiftetem Pfeil, was natürlich - wie so ziemlich die gesammte Ilias - auch wieder eine maßlose übertreibung war. Paris' Schießkünste nämlich waren, gelinde ausgedrückt, unter aller Sau. Er hätte nicht mal eine Kuh getroffen, wenn diese zwei Meter vor ihm gestanden hätte. Geschweige denn, die Ferse eines Mannes, der einige hundert Meter entfernz von ihm stand.
So kam es, daß es schon bald nach Kriegsbegin eine Einheit von Steinschleuderern gab, die extra darauf abgestellt war trojanische Feuerwehrleute beim Löschen am Kopf zu treffen. Äneas und seine Leue streikten also seit kurzem für Helme. Und so kam es, daß das Feuer auf die stolze Stadt Troja übergriff, die schon bald lichterloh in Flammen stand. Äneas und seine Leute jedoch blieben eisern als sie sich das Flammeninferno von iihrem Löschboot aus ansahen, und Äneas sprach:"Seht ihr, Jungs, das haben sie jetzt davon, laßt uns jetzt aufbrechen, und uns irgendwo niederlassen, wo Feuerwehrleute Helme tragen dürfen." Der Rest sollte hinlänglich bekannt sein. Es müßte noch angemerkt werden, daß Nero, Jahrhunderte später für die Finanzierung seines auschweifenden Lebenstils den Etat für Feuerwehrhelme strich und so erneut einen Streik provozierte. Manche Leute lernen einfach nicht aus der Geschichte.
Der fortrudernde Äneas hätte von den Griechen in ihrem Versteck durchaus beobachtet werden können, diese jedoch plagten andere Probleme. "Hey Jungs, kommt. Ich meine es hätte immerhin klappen können, und zehn Jahre sind doch jetzt echt genug, oder?" sagte Odysseus zu Agamemon, der traurig auf die brennende Stadt am Horizont blickte. "Ich meine sie war damals schon fünfundzwanzig, bedenke das du zu Hause echt was jüngeres und knackigeres bekommen kannst." Er legte seinem betrübt dreinblickenden Freund kameradschaftlich den Arm um die Schultern, "Laß uns einen trinken gehen und dann nach Hause fahren."
Was Odysseus nicht wußte, war, daß er einige Zeit unterwegs sein würde, bis er zu Hause ankommen würde.
©1994 by Florian Wallner